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Samstag, 3. Februar 2024

Ökonomische Einsichten 2024 & 2025

  • Die Beibehaltung tiefen Rentenalters von 65 Jahren in der Schweiz rechtfertigt sich durch die weitgehende Nicht-Teilhabe der Arbeitnehmerschaft am Produktivitätswachstum der letzten Jahrzehnte. Selbst die klassische Ökonomie vertrat lange die Ansicht, dass eingerechtes System dazu führen muss, dass der Produktivitätszuwachs gleichmässig auf die Produktionsfaktoren verteilt wird (was ganz offensichtlich nicht geschah).
  • Der Misserfolg von Privatisierung öffentlicher Güter zeigt sich wohl nirgends so eklatant wie in England. Thatcher war verantwortlich für die Privatisierung der Wasserversorgung und heute ist sie diese zehn Prozent teurer als im benachbarten Schottland - und funktioniert wesentlich schlechter als dort, wo man sich erfolgreich gegen Privatisierung gewehrt hatte. Das Wasser ist in England auch dreckig und die Versorgung schlechter als anderswo. Leider wird die erneute Verstaatlichung Unmengen vom Geld kosten, geschätzt bis zu 100 Milliarden £ gemäss einem Bericht von Patrick Hülser auf Radio DRS in der Sendung International (Wiederholung vom 24.12.24). Und jetzt gibt es zuerst mal einen Bericht darüber, wie Wasserversorgungen in der Welt organisiert sind, bevor dann allenfalls der Schritt in Angriff genommen wird. Ein weiterer Beweis, dass die Versorgung mit öffentlichen Gütern eben nicht privatisiert werden darf. Die einzigen, die davon profitieren, sind ausländische Konzerne und Aktionäre.
  • Der Grad der Freiheit im Welthandel richtet sich immer nach den Interessen der stärksten Teilnehmer, das waren in den letzten Jahrzehnten und auch jetzt wieder vor allem die USA. Die weitgehende Liberalisierung erschloss den Amerikanern neue Märkte, mit dem Aufkommen von Konkurrenten vor allem in Asien haben die Amerikaner aber zusehends wieder eine protektionistisch Politik verfolgt. Bedeutendes Beispiel der Inflation Reduction Act IRA. Mit dem sie nun die einheimische Industrie vor Billigimporten schützen, in erster Linie mit Steuergutschriften für die ansässigen Unternehmen, aber auch mit weitergehenden Massnahmen. Interessant in diesem Zusammenhang die Haltung der Schweiz, die in einer SRF-Trend-Sendung am heutigen Tage publik wurde. Schweizerische Handelspolitik unterscheidet offensichtlich zwischen einer vertikalen und einer horizontalen Subventionierung, wobei sie in diesem Fall eine annähernd horizontale bevorzugt, also die ganze Industrie soll profitieren und nicht einzelne Branchen. Kurioserweise ist Economie Suisse im Fall der Sozialpolitik gegen die Giesskanne, sondern verfolgt die Stützung einzelner betroffener. Konsequenterweise müsste das auch bei der Industrie die Form der Unterstützung sein, etwa der Stahlindustrie (oder auch Solar), die wirklich leidet und die Vergünstigungen erhalten sollte, aber nicht ganze Industriezweige, wo es viele Unternehmen hat, die das nicht benötigen.
  • Nach dem Abstimmungssieg bei der 13. AHV-Rente wird Ruf nach höherem Rentenalter laut. Dieses darf es aber nur geben bei Senken der allgemeinen Wochenarbietszeit - was ja trotz Produktivitätsgewinnen in letzten Jahrzehnten vergessen ging. So wie jetzt in Deutschland, wo Lokführer*innen für die 35-Stundenwoche streiken.
  • Neuerdings werden von Arbeitgeberseite Forderungen laut, die Teilzeitarbeit einzuschränken, um dem Fachkräftemangel vorzubeugen (neben Forderungen nach höherem Pensionierungsalter, mehr Zuwanderung, längerer Wochenarbeitszeit). Doch der Wunsch nach mehr Teilzeitarbeit und früherer Pensionierung sind die Reaktion des Arbeitsmarktes (der Nachfrager*innen nach Arbeit) auf ungenügende Arbeitsbedingungen und zu wenig Lohn. Aber das Spiel der Marktkräfte soll nach Meinung der Unternehmer*innen plötzlich nicht mehr gelten. Dabei wäre die ökonomische Theorie im Fall des Arbeitsmarkts doch klar, nur in der Praxis gilt diese wie so oft nur so lange, wie sie Arbeitgebern passt!
  • Zudem sind die Entwicklungen auch eine Antwort auf die Überproduktionskrise - die Leute wollen nicht mehr so viel arbeiten, um immer noch mehr zu konsumieren. Auch wenn der Überkonsum anhält in gewissen Kreisen, doch immer mehr verweigern sich mit Teilzeit, also mit weniger Lohn und Konsum.

Samstag, 11. März 2023

Ökonomische Einsichten 2023

  • Folge verweigerter Arbeitszeitreduktionen! Früher war es eigentlich eine Einsicht der klassischen Ökonomie - und ich meine damit wirklich die klassische Klassik! Im Zuge der Erhöhung der Produktivität sollten alle Produktionsfaktoren partizipieren - die Arbeit in Form von Lohnerhöhungen oder Verkürzung der Arbeitszeit - oder beides in einem Mix. Seit einigen Jahrzehnten und wohl vor allem im Zuge der Globalisierung und der offenen Märkte galt das plötzlich nicht mehr. Doch die Arbeit hat in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften ihren eigenen Weg gefunden - sie steht einfach nicht mehr uneingeschränkt zur Verfügung. Will heissen, es wird immer mehr Teilzeit gearbeitet - was jetzt wiederum von den klassischen konservativen Ökonomen aufs Heftigste kritisiert wird (Eichenberger). Ihren Ausdruck findet die Tendenz etwa in der steigenden Teilzeitarbeit von Männern in der Schweiz (früher unter zehn, heute annähernd 20 Prozent). Und im allgemeinen Wunsch der Deutschen, eigentlich nur noch um die 32 Stunden pro Woche zu arbeiten (früher 34) - siehe Zeit vom 11.3.23.
  • Anders gesagt und eine eigene Einsicht: Teilzeitarbeit ist Antwort auf die ausbleibende Verkürzung der Arbeit, die aufgrund der Produktivitätsgewinne seit Jahrzehnten angezeigt wäre! 

Montag, 18. Oktober 2021

Ökonomische Einsichten 2021

  • US-Zukunftsforscher Tony Seba sagt in Tweet vom 30.11.21 voraus, dass in wesentlichen Bereichen der Konsumwelt die Preise radikal herunterkommen in den nächsten 10-15 Jahren - so für Information, Nahrung, Energie, Transport und Rohstoffe. Als Grund nennt Seba die rasant sinkenden Kosten für neue Technologien.
  • Das mit dem AHV-Alter ist relativ einfach: Solange es keine Arbeitszeitreduktionen (Wochenarbeitszeit) gibt, darf auch das AHV-Alter nicht erhöht werden (Lebensarbeitszeit). Denn das an sich berechtigte Anliegen bleibt als Ausgleich auf der Strecke, weil Produktivitätsfortschritte nicht weiter gegeben werden.
  • Die ökologische Kehrtwende darf nicht nur ökologisch sein, sie muss immer auch sozial sein - sonst verliert sie die Unterstützung der grossen Mehrheit.
  • Interessante und mögliche Folge der Corona-Krise: Während Kurzarbeit wurden sich offenbar viele Leute ihrer beschissenen Situation am Arbeitsplatz, insbesondere auch ihrer zu langen und zu unregelmässigen Arbeitszeiten bewusst - und wechselten den Job. Die Folge: Arbeitskräftemangel in vielen Branchen und richtigerweise steigende Löhne in eben diesen.

Freitag, 8. März 2019

Ökonomische Einsichten 2019

  • (Mein) Ko-Konsum im Rahmen einer neuen hybriden Wirtschaft gemäss Rifkin zeigt sich in:
    • Nutzung des Internet im allgemeinen und von Wikipedia und News-Plattformen im Besonderen.
    • Verzicht auf eigenes Auto und Zugriff auf das Car-Sharing von Mobility - was ich als Stadtbewohner allerdings auch nur sehr selten nutze.
    • Bewusste und häufige Nutzung des Waldes (einer der wichtigsten Commons) und der freien Natur zum Waldbaden und zur allgemeinen Entspannung.
    • xxx
  • Von allen Umweltproblemen wurde kein einziges durch den Markt gelöst! Ein Zitat von ETH-Klima-Professor Reto Knutti. Sei es Abfall, Abwasser, Luftqualität, Ozonloch, Asbest, Phosphat - keinem konnte allein der Markt oder die Eigenverantwortung weiter helfen > powernewz.ch 14.10.19. 
  • Arbeitszeit muss runter: Das kristallisiert sich immer deutlicher und wird nun auch wieder vermehrt diskutiert - die Einsicht von Keynes von vor bald 100 Jahren gilt wirklich - und: Ohne Wachstum bricht alles zusammen, heißt es. Die Angst vor dem Klimakollaps ist fast harmlos gegen den Panikmodus der Wirtschaft > zeit.de 21.9.19.
  • Commons und Gemeinwohlökonomie: Man muss nicht alles selber machen - aber etwas schon, zb wie Gre Kochen und Backen für andere u Alu-Sammeln, dafür kein Urban Gardening und keine Reparaturen - oder auch das St.Galler-Konzept 80/20 verfolgen, also ein Tag wöchentlich für das Gemeinwohl - s.a. Harald Welzer «Alles könnte anders sein».
  • Warenverkehr verliert im internationalen Handel an Bedeutung gegenüber dem Austausch von Dienstleistungen. KI befördert diese Entwicklung. Fraglich sind deshalb die Ausbauten von psysischen Infrastrukturen - wie etwa dem Container-Terminal im Basler Rheinhafen, dessen Kapazität bis zu viermal grösser werden soll.
  • Das folgende Argument ist eine Bestätigung einer schon früher von mir vertretenen These: Wer etwas gegen den Klimawandel tun will, soll weniger arbeiten  - Wenn wir unseren Planeten retten und die Klimakrise eindämmen wollen, sollten wir dringend weniger arbeiten. Hier steht, warum > zeit.de 3.6.19.
  • In der Diskussion um die Ausgestaltung des Kapitalismus geht allzuhäufig verloren, dass Genossenschaften ein wichtiges Element eines anders gearteten Kapitalismus sind oder sein sollten!
  • Gedankenanstoss zum #TagderFrauen - also #Wirtschaft umgestalten mit in der Mehrzahl #Unternehmen des Fairen Handels - dann hätten wir gleich auch passende Vertretung von #Frauen in #Geschäftsleitungen!

Samstag, 6. Januar 2018

Ökonomische Einsichten in aller Kürze - 2018

Diese folgenden Einsichten bedürfen noch der Ausformulierung, seien hier als Ideenskizze festgehalten: 

28.12.18: Auf jeden Fall im Übergang zur breiten Digitalisierung in der Wirtschaftswelt wird es auch verbreitet Arbeitslosigkeit geben - selbst wenn die Digitalisierung langfristig für mehr Jobs sorgen würde. Beim Übergang zur Industrialisierung war das auch so, es gab sogar Revolutionen, Aufstände und lange Phasen von Arbeitslosigkeit - so Professor Baldwin in NZZ-Interview vom 28.12.18.

10.12.18: Zunehmende Ungleichheit ist ein Problem selbst in reichen Gesellschaften, weil sich die Leute sehr an ihrem Umfeld orientieren. Und die immer Reicheren vor Augen lassen sich die Leute nicht mehr abspeisen mit ein paar Krumen, selbst bei wachsendem Kuchen (zumal dieser Kuchen ja eben nur noch geringfügig wächst). So lässt sich etwa erklären, warum immer mehr Leute in Deutschland unzufrieden sind und AfD wählen - auch wenn die Wirtschaft besser läuft. Abgesehen davon, dass hohe Ungleichheit zu vermindertem Konsum führt und damit die Volkswirtschaft insgesamt schwächt wegen schlechterer Gesamtnachfrage (je nach Rolle der Exportwirtschaft).

9.6.18: Volksinitiative für eine Mikrosteuer - Ende Jahr startet die Unterschriftensammlung für eine Finanzsteuer, die heutige Steuern ersetzen soll. Idee der Initianten ist eine Mikrosteuer, die auf sämtlichen bargeldlosen Zahlungen erhoben werden soll - endlich mal eine wegweisende Idee mit Zündstoff > watson.ch 9.6.18.

4.6.18: Keine Erhöhung des , solange gesetzliche nicht sinkt! In der arbeiten wir wöchentlich viel zu lange. Längst fällige Senkung wird aufgefangen durch eine weniger lange - rechtfertigen weniger Arbeit.

12.4.18: Kate Raworth ist mit ihrem grundlegendem ökonomischen Lehrbuch «Die Donut-Ökonomie» (Hanser 2018) die erste Volkswirtschafterin, die die Frage der Energie und insbesondere der Sonnenenergie in ihr volkswirtschaftliches Kreislaufmodell einer «Eingebetteten Ökonomie» einführt. Sie wird damit zur Wegbereiterin der solaren Wirtschaft, wie ich sie vertrete (Buch S. 92).

06.01.18: Im Hinblick auf den Widerstand gegen staatliche Vorhaben werden gern Geldleistungen ins Spiel gebracht, um die Opposition zu besänftigen. Der Schuss kann aber auch gegen hinten los gehen. So zeigte eine Befragung in Deutschland, dass der Widerstand gegen Stromübertragungsleitungen mit Geldzahlungen nicht etwa ab- sondern sogar leicht zunehmen würde. Mögliche Erklärung: Die Geldzahlungen können auch Misstrauen gegenüber den Zahlenden wecken. Allerdings: bei den CH-AKW scheinen die Zahlungen ihren Zweck erfüllt zu haben, denn dort blieben die Einwohner in den Anrainer-Dörfern ruhig dank der vielen eingeräumten Vorteile.

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